Gold

Unser kalifornisches Gold

Bud Spencer singt im Kirchenchor, malt Ölportraits, schreibt ein Buch und hat ein Kartenspiel erfunden – nebenbei gräbt er nach Gold.

Bud Spencer heiβt im richtigen Leben Mike und wohnt im 2,000 Einwohner Städtchen Angels Camp, im Vorgebirge der Sierra Nevada. Nicht weit entfernt, in Coloma, brach 1848 das Goldfieber aus, als ein Vorarbeiter der Firma Sutter’s Mill einen Klumpen glitzerndes Metal fand, das sich, nach einigen Analysen, als Gold herausstellt. Schon nach wenigen Wochen hatte sich der Fund herumgesprochen und der Goldrausch nahm seinen Anfang.

Ein winziges bisschen Geschichte
Gold schürfen in der Sierra Nevada

So sah das Goldschürfen früher aus, wir hatten es ein bisschen bequemer. Das ist ist von: http://www.historicalstockphotos.com

Zwischen 1848 und 1855 strömten 300,000 Menschen aus Amerika, China, Australien, Lateinamerika und Europa in die Gegend um reich zu werden. San Francisco wuchs von einem 200 Seelen Dörfchen zu einer boomenden Stadt von 36,000. Straβen, Schulen, Kirchen – und natürlich Saloons – wurden in ganz Kalifornien gebaut, und das Vorgebirge der Sierra Nevada – das imposante Gebirge an der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada – wurde mit Goldminen durchzogen. In den Bächen saβen Goldwäscher – alle 3 Meter einer – mit ihren Pfannen, Äxten und Hämmern und wuschen Steine, Sand und Schlicker auf der Suche nach dem schnellen Reichtum.

Heute ist das Gold in Calaveras County flüssig – Weinanbau hat die Goldwäscherei ersetzt. Besucher aus der nahe gelegenen San Francisco Bay Area kommen zur Weinprobe, um einen Hauch Nostalgie zu erleben, ein bisschen in Antiquitätenläden herumzustöbern und eben um die wilde Zeit Kaliforniens ein ein bisschen zu nachzuempfinden.

Die Landschaft zeigt noch immer die Spuren der irren Buddelei, die vor knapp 170 Jahren ihren Anfang genommen hat: alle paar Kilometer ist eine Mine, meist halb verfallen und verschüttet, alte Förderanlagen werden in den Städtchen ausgestellt und oft zeigen die lieblichen Hügel merkwürdige Verwerfungen – irgendwann vor vielen Jahren brach da ein Schacht ein, oder ein halber Hügel wurde abgetragen, auf der Suche nach dem glitzernden Metal.

Noch immer wird Gold gefunden, und bei den Touristen schleicht sich die Hoffnung ein, dass man bei einem Spaziergang am Bach einen Klumpen finden könnte. Ein Glücksfund, so unwahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto – und genauso verführerisch. Wir jedenfalls können der Versuchung nicht wiederstehen mit einem waschechten Goldsucher in einem Pick-up, der in Deutschland längst hochkantig durch den TUV gerasselt wäre, zu seinem Geheimplatz zu fahren. Es ist ein sonninger, warmer Märzsonntag, die Bäume und Osterglocken blühen und wir gurken, in viel zu groβen Gummistiefeln, zum Bach. Dort werden wir lernen Gold zu waschen wie die Profis während des Goldrausches.

Goldwaschen – ein echter Knochenjob

Goldwaschen, stellt sich heraus, ist ein Knochenjob. Wir sitzen auf Campingstühlen mitten im Bach, in den Händen Pfannen, die Mike volllädt mit Matsch, Steinen und Schlicker. Das Material hämmert er am Rand des Baches, direkt über dem Grundgestein, heraus. Gold ist schwer, es sinkt nach unten und bleibt erst hängen, wenn es auf Grundgestein trifft. Somit sind die Chancen auf einen Goldfund in der Schicht direkt über einem Festgestein am gröβten. Zuerst wird der Matsch und Schlicker von den Steinen gewaschen, dann Erd- und Tonbrocken aufgelöst. Danach landen die sauberen groβen Steine wieder im Bach, die kleinen bleiben in der Pfanne. Dann muss die Pfanne rotiert und gleichzeitig geschüttelt werden damit etwaige Goldstücken sich herauslösen und nach unten sinken können. Mike macht das lässig aus dem Handgelenk, er ist ein Bär von einem Mann, wie Bud Spencer eben, aber normalsterbliche Büromenschen brauchen beide Hände – und jede Menge Pausen. Wir waschen und rotieren, lassen das braune Wasser ablaufen, klauben gröβere Steine aus der Pfanne, waschen rotieren und wiederholen bis nur noch kleine Steinchen übrig sind und das Wasser klar abflieβt.

Jetzt kommt der kritische Teil: das übrige gebliebene Material wird in der schräg gehaltenen Pfanne vorsichtig hin- und hergeschüttelt bis es einem Haufen bildet. Mit etwas Glück ist das schwere Gold jetzt ganz unten in der Mitte under dem Stein- und Sandhaufen begraben. Mike zeigt wie es weitergeht, lässig dreht er die Pfanne während er immer wieder vorsichtig Wasser darüberschwappen lässt, der Haufen wird langsam abgetragen und wenn man ganz genau hinschaut sieht man etwas Glitzerndes, einen halben Millimeter lang, dünn wie ein Haar: Gold!

Der kostbare Fund wird vorsichtig in ein mitgebrachtes Glasröhrchen verfrachten und – angefeuert vom ersten Erfolg – hacken, waschen und rotieren wir weiter. Wo kleineste Spuren sind, könnten ja auch gröβere Brocken sein.

Stunden später hat das Ministückchen Gesellschaft von fünf bis sechs anderen Ministückchen erhalten, eines könnte vielleicht sogar als Kleinstückchen bezeichnet werden: man sieht es mit bloβem Auge, auch wenn man nicht weiβ, dass es da ist. Wir beschlieβen, unsere Bürojobs momentan nicht fürs Goldwaschen aufzugeben und steigen steifbeinig aus dem Bach.

In Mike’s Truck fahren wir zurück nach Angels Camp, das Glasröhrchen mit den kostbaren Funden ganz unten in der Tasche, damit es nur ja nicht herausfällt und zerbricht – die Ministückchen würden wir auf dem Boden des Trucks nie wieder finden. Wir reden über Gold, über Mikes neuste Idee für eine vielversprechende Quarzmine, die er irgendwo auf dem Grundstück des Nachbarn eines Cousins eines Jugendfreundes gesehen hat, seine Pläne, da zu graben – sobald er Zeit hat. Nach drei Stunden im Bach können wir mitreden, wir sind ja fast schon Experten.

Das Goldröhrchen steht jetzt zu Hause im Wohnzimmerschrank und alle, die es hören wollen – und viele, die es nicht hören wollen – bekommen die Geschichte erzählt vom Bach, den Pfannen und der Aufregung, die man spürt wenn man die Pfanne vorsichtig zum letzten mal dreht und nach winzigsten gelb-glänzenden Spuren Ausschau hält und von der Hoffnung wenn man sich die nächste Ladung Matsch auflädt – diesmal sicher, diesmal ist ein Nugget drin!

Reich geworden sind wir nicht, dort im Bach bei Angels Camp, aber um eine Erfahrung und einen Muskelkater in den Oberarmen reicher. Und die Bürojobs wissen wir auch wieder zu schätzen.