Florida
Miami

Alle Florida-Liebhaber: bitte mit Vorsicht weiterlesen. In diesem Artikel kommt “sunshine state” nicht so gut davon. Denn Florida ist berüchtigt für den kompletten Scheiß, der dort ständig passiert – und ich red jetzt nicht nur über Wahlen (aber auch).

Abartige Geschichten aus Florida haben eine Tradition in den USA. Jedes Jahr machen die “50 bescheuertsten Stories aus Florida” oder “Geschichten, die nur in Florida passieren können” die Runden am Internet. Am allerberüchtigsten sind Männer aus Florida, aber Frauen stehen ihnen ehrlich gesagt auch nicht viel nach. Das Adjektiv, dass man häufig in dem Zusammenhang liest ist “bat-shit crazy” – das ist praktisch unübersetzbar , bat ist die Fledermaus, shit, na ja, das weiss man und crazy ist halt verrückt. In der Kombination trifft es “völlig bescheuert” so ungefähr, nur noch ein bisschen umgangssprachlicher.

Und dann sind da die Wahlen, aber dazu später. Jetzt erstmal ein paar Beispiele von bat-shit crazy Verhalten in Florida.

Da ist z.B. der Mann, der in der am Weihnachtsabend mit Crack Kokain in einer Notfallstation im Krankenhaus erwischt wurde. Er wollte das Kokain grosszügig mit den Patienten teilen und war gerade dabei einem Mann, der mit einer Sauerstoffflasche versehen war, ein Pfeifchen anzustecken. Das hätte verdammt schief gehen können.

Dann ist da die Familie, die gerade dabei war zu besprechen wann sie das nächste Methamphetamin kochen wird, aber während dieser Diskussion hat ein Familienmitglied aufs Versehen mit dem Hintern (butt dialing, wenn man das Telefon in der Hosentasche hat und das dann unbeabsichtigt eine Nummer wählt) die Notrufnummer 911 gewählt. Am anderen Ende konnte die Polizei dann natürlich die ganze Diskussion gut verfolgen.

Oder der Mann, der einen anderen angefallen hat, weil er beim Express-Kassierer (normalerweise darf man da nicht mehr als 15 Dinge haben)  22 Dinge bezahlen wollte. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich dafür tatsächlich noch ein bisschen Verständnis habe. Das nervt mich auch, obwohl ich mich vermutlich nicht zu einem tätlichen Angriff hinreissen lassen würde.

In vielen dieser Stories, spielt Sex eine Rolle, aber Alligatoren kommen auch immer wieder vor. Nur für den Fall, dass das nicht klar ist, mit den Viechern ist nicht zu spassen.  Die Idee, eines Floridianers, in einem Laden einen Alligator für einen Sechserpacken Bier eintauschen zu wollen kam von daher auch nicht so gut. 

Florida
Putzig ist anders

Auch der fast 4 Meter lange Alligator, der sich häuslich in einem Swimming Pool niedergelassen hatte und ziemlich misslaunig war, als die Polizei ihn entfernen wollte ist von daher eine typische Florida-Geschichte. 

Dann gab es da die Bettina Rodriguez Aguilera (auch noch mein Vorname!), sie wollte Abgeordnete von Florida’s 27sten Bezirk werden und hat aus der “Tatsache”, dass sie als Kind von Aliens entführt worden war kein Geheimnis gemacht. Sie hat dann in den Vorwahlen verloren. Das spricht nun wieder für Florida, dass muss ich gestehen.

Jetzt doch noch ein bisschen Politik

Wo wir schon bei Politik sind. Florida ist wahlrechtstechnisch gesehen ein Scheisshaufen. In mancher Hinsicht ist es nicht ganz so schlimm wie Georgia und Wisconsin – die Bezirke sind nicht vollständig manipuliert, aber dafür gibt es dort jedesmal Drama. Einige mögen sich an das Drama 2000 erinnern, als Handzählungen nötig waren und das ganze Land mit angehaltenem Atem da sass und darauf wartete, dass in Florida darüber Einigung erzielt wird, wie nicht ganz durchgestanzte Löcher neben einem Namen zu werten sind (man musste den Kandidaten der Wahl sozusagen “lochen”, was aber, wenn das Loch nur unvollständig durchgedrückt ist?). Damals hat im Ende der Oberste Gerichtshof entschieden, dass Bush die Wahl gewonnen hat. Die Welt würde heute anders aussehen, wenn Al Gore Präsident geworden wäre. Experten sind sich nicht einig, sind sie ja nie, aber zumindest unter uns Liberalen ist allgemein akzeptiert, dass Gore die Wahl gewonnen hat. Ist zu spät sich darüber immer noch aufzuregen.

Das Problem ist seither nicht besser geworden, nur die Methoden anders. Die Locherei ist vorbei dafür gehen jetzt regelmässig Wahlumschläge verloren, oder ganze Boxen voll mit Wahlunterlagen tauchen Tage nach der Wahl an allen möglichen Orten auf. Die Gerichte sind fast immer irgendwie zu Gange und am Ende schreien alle “Wahlbetrug”.

Eines der Probleme ist, dass wie in vielen Staaten, die demokratischen Stimmen in gewissen dicht besiedelten Gebieten konzentriert sind. Wenn es da irgendwelche Probleme gibt und von Hand nachgezählt werden muss dauert das Tage. Dann flippen die Republikaner aus und sagen, dass sei Wahlbetrug, es müsse nun Schluß mit der Zählerei sein, da könne ja jeder kommen und tagelang Stimmen zählen wollen. Ist natürlich Wahlbetrug von Seiten der Republikaner, denn gerade in Florida gibt es viele Briefwähler, zum Teil auch Soldaten, die in Florida registriert aber in Übersee stationiert sind. Die Briefwahlunterlagen werden erst nach Schliessung der Wahllokale gezählt. Wenn es viele sind, dauert das eben.

Hier in Kalifornien ist es übrigens das gleiche. Extrem viele Leute wählen im Vorfeld per Post. Aber hier nehmen wir uns die Zeit, alles ordentlich zu zählen, auch wenn es Wochen dauert. Erst am 6. Dezember, hat David Valadao seine Niederlage gegen den Demokraten T.J. Cox eingeräumt. So lang haben sie gezählt, und versucht Wähler, deren Unterlagen irgendwie nicht eindeutig waren, zu erreichen, um zu klären, was sie wollen. Auch diese Wahl ging nicht ganz ohne Drama ab, erst wurde Valadao als Sieger genannt aber je mehr Briefwahlunterlagen gezählt wurden, desto enger wurde es und schlussendlich gewann T.J. 

Ich bin mir recht sicher, aber wenn kümmert das schon, dass sowohl die Wahl zum Governor als auch für den Senat in Florida anders ausgegangen wäre, wenn sie geduldig bis zu Ende gezählt hätten. Aber das war natürlich nicht im Sinne der republiaknischen Machthaber.

Ach, und noch was, das Klima in Florida, zumindest im Sommer, ist Scheisse. Viel zu heiss  und feucht.